People Pleasing & Fawning: Psychotherapie in Köln-Ehrenfeld
Manche Menschen spüren sehr fein, was ihr Gegenüber gerade braucht oder erwartet, und richten ihr Verhalten danach aus – oft, bevor sie bemerken, was sie selbst eigentlich möchten. Das kann sich nach Rücksicht anfühlen, nach Verlässlichkeit, nach einem ausgeprägten Harmoniebedürfnis, manchmal auch einfach nach „so bin ich eben”. Häufig steckt dahinter eine Fähigkeit, die einmal sehr wichtig war: Anpassung als Weg, sich sicher und verbunden zu fühlen. In der Psychotherapie sprechen wir dabei von People Pleasing und, in seiner intensiveren, traumabedingten Form, von Fawning.
Typische Hinweise sind, dass Sie häufig Ja sagen, obwohl Sie eigentlich Nein meinen, die Stimmung anderer genau beobachten und sich danach richten oder sich schuldig fühlen, wenn Sie etwas für sich beanspruchen. Manche Menschen vermeiden Konflikte so konsequent, dass sie kaum bemerken, was sie selbst brauchen, oder fühlen sich nach sozialen Kontakten erschöpft.
Dass es so schwerfällt, Nein zu sagen und Grenzen zu setzen, hat meist gute Gründe: Konfliktvermeidung und Anpassung haben früher geholfen, Beziehungen zu erhalten, und das Nervensystem reagiert auf ein mögliches Nein dann wie auf eine Gefahr. Oft spielt auch die Angst vor Ablehnung eine Rolle und ein Selbstwert, der an Leistung für andere geknüpft ist. Deshalb reichen gute Vorsätze allein häufig nicht aus. Meist braucht es zuerst mehr innere Sicherheit, damit es sich möglich anfühlt, Grenzen zu setzen.
In meiner Praxis in Köln-Ehrenfeld begleite ich Menschen, die Schwierigkeiten damit haben, ihre eigenen Bedürfnisse auszusprechen oder Grenzen zu setzen. Wenn Sie einen Weg finden möchten, mehr bei sich zu bleiben, ohne Ihre Beziehungen aufs Spiel zu setzen, kann ich Sie dabei unterstützen.
Das finden Sie auf dieser Seite:
"Because true belonging only happens when we present our authentic, imperfect selves to the world, our sense of belonging can never be greater than our level of self-acceptance."
– Brené Brown, Daring Greatly
Was sind People Pleasing und Fawning?
People Pleasing ist ein erlerntes Verhaltensmuster: Man richtet sich danach aus, was andere möchten. Oft ist es eng mit dem Selbstwert verknüpft – mit der Überzeugung, nur dann wertvoll zu sein, wenn man anderen etwas Gutes tut, sich nützlich macht oder keine Umstände bereitet.
Fawning (etwa „sich unterwerfen“, „beschwichtigen“) beschreibt eine automatische Schutzreaktion auf überfordernden Stress oder traumatische Erlebnisse. Neben Kampf, Flucht und Erstarrung (Fight, Flight, Freeze) gilt es als vierte Schutzreaktion des Nervensystems. Wer die Erfahrung gemacht hat, dass es körperlich oder emotional nicht sicher ist, sich zu zeigen, lernt, Gefahr durch Anpassung abzuwenden. Von Fawning spricht man vor allem, wenn jemand in seinem Leben sehr belastende Erfahrungen gemacht hat, wie Gewalt, emotionale Vernachlässigung, Missbrauch oder Mobbing.
In der Praxis lassen sich beide Muster nicht immer sauber trennen – und das ist auch nicht notwendig. In beiden Fällen geht es darum, sich durch Anpassung sicher zu fühlen und Verbindung zu erhalten oder wiederherzustellen.
Wie entstehen solche Muster und warum sind sie belastend?
Fawning und People Pleasing fallen häufig gar nicht als Problem auf. Während Kampf, Flucht oder Erstarrung für das Umfeld sichtbar sind, gilt Anpassung als sozial erwünscht: Man wirkt freundlich, hilfsbereit und unkompliziert. Unter dem Muster leiden vor allem die Betroffenen selbst, weniger ihr Umfeld. Dadurch bleibt es oft lange unbemerkt – manchmal sogar vor den Betroffenen selbst.
Die Entstehung
Anpassung wird dort gelernt, wo es sicherer oder verbindender war, eigene Bedürfnisse zurückzustellen: in einer Familie, in der Stimmungen aufmerksam beobachtet werden mussten; in Umfeldern, in denen Zuwendung an Bedingungen geknüpft war; oder in belastenden Beziehungen. Solche Muster sind erlernte Strategien, kein Charakterfehler. Mit Selbstmitgefühl und einem Blick auf die eigene Geschichte lassen sie sich besser verstehen.
Die Kosten von People Pleasing und Fawning
Anpassung hat Vorteile: Sie schafft Harmonie und vermeidet Konflikte. Auf Dauer kann sie aber viel Kraft kosten. Manche Menschen erleben Erschöpfung oder Groll, andere spüren kaum noch, was sie selbst brauchen. Auch Beziehungen können darunter leiden, wenn das Gegenüber nur eine angepasste Version von einem selbst kennt.
Wie arbeiten Sie in der Psychotherapie damit?
Wir klären zunächst, was Sie verändern möchten und in welchen Situationen das Muster auftritt – etwa in der Familie, im Beruf, in Freundschaften oder in Partnerschaften. Gemeinsam schauen wir auf den Nutzen des Musters, auf seine Kosten und – wenn es hilfreich ist – auf seine Entstehung. Die Vergangenheit steht dabei jedoch nicht unbedingt im Mittelpunkt. Wichtiger ist die Frage, wohin Sie sich entwickeln möchten.
Bedürfnisse und Grenzen
Ein großes Thema sind Bedürfnisse und Grenzen: Was brauche ich eigentlich? Was will ich? Welche Arten von Grenzen gibt es überhaupt? Wie kann ich sie so setzen, dass es sich für mich stimmig anfühlt? Dafür braucht es meist eine Grundlage, nämlich ein stabileres Selbstwertgefühl und mehr innere Sicherheit. Erst von dort aus wird es leichter, Nein zu sagen, Bedürfnisse zu äußern und auch einmal einen Konflikt auszuhalten.
Meine therapeutischen Verfahren im Überblick
Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie: Wer sich lange nach den Erwartungen anderer gerichtet hat, kann mit mir ein Gegenüber erleben, das ohne Bedingungen und Wertungen zuhört. Das ist eine gute Voraussetzung, um sich selbst ehrlicher und freundlicher zu begegnen.
Gestalttherapie: Wir erforschen im Hier und Jetzt, was körperlich und emotional in Ihnen geschieht, wenn Sie ein Bedürfnis spüren oder eine Grenze setzen wollen. So wird direkt spürbar, wo das Anpassungsmuster greift – und wie sich eine stimmige Alternative anfühlt.
Körperorientierte Arbeit: Wenn Anpassung eine Schutzreaktion des Nervensystems ist, hilft es, körperlich mehr Sicherheit zu erfahren, damit Veränderung nicht gegen den eigenen Körper erarbeitet werden muss.
Kleine Schritte machen
Veränderung geschieht oft in kleinen, machbaren Schritten: ein Bedürfnis äußern, eine erste Grenze setzen, beobachten, wie sich das anfühlt. Viele erleben dabei, dass das Umfeld es besser aufnimmt als befürchtet und dass es sich auf Dauer stimmiger anfühlt – auch wenn der Anfang herausfordernd sein kann. Manchmal kann es allerdings auch notwendig sein, Beziehungen zu beenden, in denen authentisches Verhalten kontinuierlich bestraft wird. Falls das notwendig sein sollte, bereiten wir Sie darauf in Ruhe vor.
Wie läuft die Zusammenarbeit ab?
1) Erstgespräch & Kennenlernen
Wir klären Ihr Anliegen, schauen auf Ihre aktuelle Situation und prüfen, ob die Chemie stimmt und wie ich Sie unterstützen kann.
2) Verstehen & Innere Sicherheit aufbauen
Wir ergründen die Auslöser Ihres Musters und stärken Ihr Nervensystem sowie Ihren Selbstwert als stabile Basis für Veränderungen.
3) Neue Schritte im Alltag erproben
In kleinen, sicheren Schritten lernen Sie, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, Grenzen zu setzen und diese stimmig in Ihren Beziehungen zu leben.
Empfehlungen zum Weiterlesen und Hören
Ingrid Clayton: Fawning – die unterschätzte Trauma-Reaktion
Neben Kampf, Flucht und Erstarrung beschreibt Ingrid Clayton, klinische Psychologin aus Los Angeles, Fawning als vierte Reaktion auf überfordernde Belastung. Ich empfehle das Buch, weil es die Hintergründe von Traumareaktionen ausführlich erklärt und zeigt, wie sich das Muster verändern lässt. Es kann entlasten das Buch zu lesen, weil es das Erleben vieler Betroffener einordnet – etwa das Gefühl, selbst schuld zu sein.
Juliane Taylor Shore: Setting Boundaries That Stick
Grenzen zu setzen ist in diesem Themenfeld zentral. Die Autorin betrachtet Grenzen sowohl als etwas Inneres als auch als etwas Zwischenmenschliches und stellt verschiedene Arten von Grenzen vor. Dazu kommen ein Sechs-Schritte-Ansatz, den sie aus ihrer Praxis auf Grundlage neurobiologischer Prozesse entwickelt hat, und viele Übungen. Das Buch liegt aktuell nur auf Englisch vor.
Being Well Podcast: People Pleasing vs. Fawning: Why We Do It and How to Change
Den Being Well Podcast von Dr. Rick Hanson und Forrest Hanson schätze ich sehr, weil Themen darin fundiert und verständlich aufbereitet werden. Diese Folge unterscheidet People Pleasing und Fawning. Sie geht auf die Herkunft der Begriffe ein, auf den Zusammenhang mit Trauma, auf die Frage, wie man Bedürfnisse äußert, wenn andere Nachgeben erwarten, und darauf, wie sich Beziehungen verändern, die auf der angepassten Version von einem selbst aufgebaut sind. Auch das Thema, nach vielen Jahren des Anpassens herauszufinden, was man selbst möchte, kommt vor.
Häufig gestellte Fragen zu People Pleasing & Fawning
-
People Pleasing ist meist ein erlerntes Verhaltensmuster, bei dem Menschen sich nach den Wünschen anderer richten, um Beziehungen zu erhalten – oft verbunden mit der Überzeugung, nur wertvoll zu sein, wenn man für andere da ist. Fawning dagegen beschreibt eine Schutzreaktion auf überfordernde Belastung (neben Kampf, Flucht und Erstarrung): Wer erlebt hat, dass es nicht sicher ist, sich zu zeigen, lernt, Gefahr durch Anpassung abzuwenden. In der Praxis lassen sich beide nicht immer klar trennen.
-
Typische Hinweise sind, dass Sie häufig Ja sagen, obwohl Sie eigentlich Nein meinen, dass Sie die Stimmung anderer genau beobachten und sich danach richten oder dass Sie Schuldgefühle haben, wenn Sie etwas für sich beanspruchen. Manche Menschen bemerken kaum noch, was sie selbst brauchen, oder fühlen sich nach sozialen Kontakten erschöpft. Ob daraus ein belastendes Muster wird, zeigt sich vor allem daran, wie viel Kraft es Sie kostet.
-
Häufig hat Anpassung früher geholfen, Beziehungen zu erhalten und Konflikte zu vermeiden. Das Nervensystem reagiert auf ein mögliches Nein dann wie auf eine Gefahr. Oft spielen auch die Angst vor Ablehnung und ein Selbstwert, der an Leistung für andere geknüpft ist, eine Rolle. Das erklärt, warum gute Vorsätze allein oft nicht reichen: Es braucht meist erst ein Gefühl von mehr innerer Sicherheit, bevor es möglich wird Grenzen zu setzen.
-
People Pleasing und Fawning sind keine eigenen Diagnosen, sondern beschreibende Begriffe für Verhaltensmuster. Fawning wird vor allem im Zusammenhang mit traumatischen Erfahrungen verstanden, People Pleasing kann auch ohne Trauma entstehen. Beides kann sehr belastend sein und neben Erschöpfung, Burnout oder Depression auftauchen.
-
In meiner Praxis in Köln-Ehrenfeld klären wir zunächst, was Sie verändern möchten und in welchen Situationen das Muster auftritt. Ein Schwerpunkt liegt auf Bedürfnissen und Grenzen sowie auf der Basis dafür: einem stabileren Selbstwertgefühl und mehr innerer Sicherheit. Dafür arbeite ich mit klientenzentrierter Gesprächspsychotherapie, Gestalttherapie, körperorientierter Arbeit sowie Achtsamkeit und Selbstmitgefühl. Wie viel Raum die Entstehungsgeschichte bekommt, richtet sich danach, was Ihnen hilft.
-
Hilfreich ist meist, in kleinen Schritten zu beginnen: zuerst wahrzunehmen, was Sie brauchen, dann in weniger riskanten Situationen eine erste Grenze zu setzen und zu beobachten, wie es sich anfühlt. Viele erleben dabei, dass ihr Umfeld Grenzen besser annimmt als befürchtet. Manche Beziehungen verändern sich allerdings, weil sie auf der angepassten Version von einem selbst aufgebaut waren. Eine therapeutische Begleitung kann Sie dabei unterstützen.
-
Ja, alle Sitzungen sind sowohl vor Ort in meiner Praxis in Köln-Ehrenfeld als auch per Video-Call möglich.
Ich nutze die Software von therapie.de, die DSGVO-konform ist und Ihre sensiblen Daten schützt.
Vereinbaren Sie ein Erstgespräch mit mir
In einem Erstgespräch lernen wir uns kennen und klären ganz in Ruhe, ob und wie ich Sie begleiten kann. Die Sitzungen sind Leistungen für Selbstzahler:innen, alle Infos finden Sie unter Kosten & Termine.
Mehr zu meinem therapeutischen Ansatz finden Sie auf der Seite Psychotherapie in Köln-Ehrenfeld. Ich arbeite als Heilpraktikerin für Psychotherapie.